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Die legendärsten Boxer aller Zeiten: Von Muhammad Ali bis Tyson Fury

Geschrieben von IMAGO | 17.02.2026 01:52:59

Gewichtsklassen, Trainingsmethoden und die Struktur der Weltmeistertitel haben sich mehrfach verändert. Trotzdem entstehen über Jahrzehnte hinweg Namen, die über ihre Bilanzen hinaus Bedeutung gewinnen – weil sie Rivalitäten prägten, Stile definierten und ganze Epochen repräsentierten. Dieser Beitrag skizziert einen thematischen Rundumschlag vom Bare-Knuckle-Übergang zur modernen Mehrgürtel-Ära und ordnet zentrale Karrieren ein. Er richtet sich an Sportredaktionen, Agenturen, Marken, Creator, NGOs und Bildungseinrichtungen, die Boxgeschichte einordnen oder visuell erzählen möchten – etwa in Reportagen, Dokus, Social Media oder Lehrmaterial. Als internationale Bild- und Content-Plattform arbeitet IMAGO mit einem globalen Netzwerk aus Partneragenturen, Fotografen und Archiven, die solche Sportmomente dokumentieren und für definierte Nutzungen lizenzieren.

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Was macht einen Boxer „legendär“ – jenseits von Rekorden?

Der Begriff „legendär“ ist keine objektive Auszeichnung, sondern ein Ergebnis aus sportlicher Leistung, Kontext und Wirkung. Ein dominanter Champion in einer dünn besetzten Ära wird anders bewertet als ein Titelträger, der mehrere Spitzengegner in kurzer Zeit besiegt. Hinzu kommen Faktoren wie Regeländerungen (z. B. Rundenzahl), medizinische Standards, Gewichtslimits und die Professionalisierung des Matchmakings.

Für eine belastbare Einordnung lohnt sich ein Blick auf mehrere Kriterien, die sich über Gewichtsklassen und Jahrzehnte anwenden lassen. Dazu zählen: Qualität der Gegner, Titelvereinigungen oder Titelverteidigungen, Anpassungsfähigkeit im Ring, Langlebigkeit sowie der Einfluss auf Stil und Öffentlichkeit. In der Praxis entsteht „Legendenstatus“ oft dort, wo Sportgeschichte und Zeitgeschichte sichtbar ineinandergreifen – etwa bei gesellschaftlichen Debatten, Massenmedien oder globalen Events.

Von der Frühzeit zur Weltmeisterschaft: Als Boxen zur globalen Bühne wurde

Die frühe Profiboxgeschichte ist geprägt vom Übergang von Bare-Knuckle-Kämpfen zu den Queensberry-Regeln. John L. Sullivan gilt als Schlüsselfigur dieser Phase: Er gewann 1882 den Schwergewichtstitel nach Bare-Knuckle-Regeln und bestritt 1889 gegen Jake Kilrain den letzten großen Bare-Knuckle-Titelkampf in den USA; 1892 verlor er unter Queensberry-Regeln gegen James J. Corbett.

In dieser Zeit wurde der Sport zunehmend medialisiert, aber auch politisiert – besonders dort, wo Hautfarbe und soziale Ordnung die Wahrnehmung bestimmten. Jack Johnson wurde als erster Afroamerikaner Schwergewichtsweltmeister und hielt den Titel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einer Ära, die in den USA von institutioneller Rassentrennung geprägt war. Seine Kämpfe zeigen, wie sehr Boxen früh zu einem Spiegel gesellschaftlicher Konflikte wurde – lange bevor Pay-per-View und globale Vermarktung den Sport prägten.

IMAGO / ZUMA Press Wire / Box Legende Jack Johnson in einem undatiertem Foto.

Meisterschaft über mehrere Gewichtsklassen: Henry Armstrong als historischer Sonderfall

Während das Schwergewicht oft als „Königsklasse“ gilt, war die Legendenbildung nie darauf beschränkt. Ein frühes Ausrufezeichen setzte Henry Armstrong, der als einziger Profiboxer gleichzeitig Weltmeistertitel in drei Gewichtsklassen hielt. Das ist bis heute eine Ausnahme, weil moderne Verbandsstrukturen, Pflichtverteidigungen und Terminplanung solche Überschneidungen stark erschweren.

Karriere-Highlights (Armstrong)

  • Gleichzeitig Weltmeister in drei Gewichtsklassen (historisch singulär)

  • Beispiel für eine Ära, in der Aktivität und Kampfhäufigkeit stärker zum Champion-Profil gehörten als heute

Armstrong steht damit für ein Grundmotiv der Boxgeschichte: Legenden entstehen auch dann, wenn Athleten Gewichtsklassen-Grenzen verschieben – eine Idee, die später in der „Mehrfach-Champion“-Ära erneut zentral wird.

IMAGO / ZUMA Press Wire / Muhammad Ali posiert mit Henry Armstrong, 1947.

Die Ära der langen Regentschaften: Joe Louis und die Norm des Champions

Mit wachsender Popularität entstand das Ideal eines Champions, der über Jahre verteidigt und das Schwergewicht stabilisiert. Joe Louis war Weltmeister von 1937 bis 1949 und verteidigte seinen Titel 25-mal erfolgreich – laut Britannica die längste Regentschaft in irgendeiner Gewichtsklasse. Seine Bilanz ist nicht nur Zahlenwerk, sondern Ausdruck eines Zeitfensters, in dem ein Champion als dauerhafte Institution wahrgenommen wurde.

Karriere-Highlights (Louis)

  • Schwergewichtsweltmeister 1937–1949

  • 25 erfolgreiche Titelverteidigungen (Britannica)

  • Stilbild für „ökonomisches“ Boxen: präzise, kontrolliert, auf klare Treffer ausgelegt (zeitgenössisch oft so beschrieben)

Die Louis-Ära formte Erwartungen: Wer „der Mann“ im Schwergewicht ist, soll nicht nur gewinnen, sondern über Jahre hinweg die Spitze strukturieren.

IMAGO / ZUMA Press Wire / Der amerikanische Boxer Joe Louis sucht während eines Boxkampfes gegen den deutschen Boxer Max Schmeling im Yankee Stadium in der Bronx, New York City, New York, USA, nach einer Lücke in der Deckung. (Foto aus der Sammlung der Zeitungen „New York World-Telegram and the Sun“, 19. Juni 1936, New York City, USA

Perfektion als Mythos: Rocky Marciano und die Unbesiegtheit im Schwergewicht

Wenn Louis für Regentschaft steht, steht Rocky Marciano für das seltene Narrativ der Unbesiegtheit. Er beendete seine Karriere mit 49 Siegen ohne Niederlage und 43 K.o.-Siegen; Weltmeister war er von 1952 bis 1956. Gerade im Schwergewicht bleibt eine makellose Bilanz außergewöhnlich, weil einzelne Treffer Kämpfe früh entscheiden können und Leistungsabfall mit dem Alter oft hart bestraft wird.

Karriere-Highlights (Marciano)

  • Schwergewichtsweltmeister 1952–1956

  • Karriereende 49–0 (43 K.o.)

  • Symbolfigur dafür, wie stark „Unbesiegtheit“ im Boxen zur Legende beitragen kann

Marciano zeigt zugleich die Grenzen des Vergleichs: Die Frage, gegen welche Gegnerdichte ein perfekter Rekord entstand, wird bis heute diskutiert – und gehört zur Logik des Sports.

„Pound for Pound“ als Maßstab: Sugar Ray Robinson und das Ideal des Komplettboxers

Im historischen Ranking wird Sugar Ray Robinson häufig als Referenz genannt, wenn es um technische Vollständigkeit geht. Britannica beschreibt seine lange Karriere bis 1965 und nennt 201 Profikämpfe mit 109 Knockouts sowie insgesamt 19 Niederlagen. Solche Zahlen stehen für Aktivität, Vielseitigkeit und Langlebigkeit – und erklären, warum Robinson für viele Maßstäbe jenseits des Schwergewichts setzt.

Karriere-Highlights (Robinson)

  • 201 Profikämpfe, 109 Knockouts (Britannica)

  • Karriere über mehrere Jahrzehnte bis 1965

  • Häufig genannt als Referenz für „Pound-for-Pound“-Vergleiche (Einordnung in vielen historischen Debatten)

Robinson markiert einen Übergang: Boxlegenden sind nicht nur „Champions“, sondern werden zu Stilnormen, an denen spätere Generationen gemessen werden.

IMAGO / UIG / 12. September 1951: Sugar Ray Robinson wirft in der zehnten Runde seines Titelkampfes gegen den Mittelgewichtsmeister Randy Turpin einen harten rechten Haken auf das Kinn. Kurz danach wurde der Kampf abgebrochen, und Robinson wurde ein TKO zugesprochen.

Die 1960er und 1970er: Muhammad Ali als sportliche und öffentliche Figur

Mit Muhammad Ali erreichte das Schwergewicht eine neue kulturelle und mediale Dimension. Britannica nennt ihn als ersten Boxer, der den Schwergewichtstitel dreimal gewann, und verweist auf insgesamt 19 erfolgreiche Titelverteidigungen. Seine Karriere wird zudem häufig über ikonische Konstellationen erzählt: Rivalitäten, Comebacks, politische Konflikte und der Status als globales Symbol, der weit über den Ring hinausreichte.

Ein sportlich zentraler Punkt ist Alis Fähigkeit, in unterschiedlichen Phasen zu gewinnen: in frühen Jahren über Bewegung und Distanzkontrolle, später stärker über Timing, Rhythmuswechsel und Erfahrung. Der Mythos speist sich nicht aus Unbesiegtheit, sondern aus der Kombination von sportlicher Spitzenleistung und öffentlicher Reibung.

Karriere-Highlights (Ali)

  • Dreimaliger Schwergewichtsweltmeister (Britannica)

  • 19 Titelverteidigungen im Schwergewicht (Britannica)

  • Olympischer Erfolg als Amateur (u. a. häufig über Rom 1960 dokumentiert)

  • Prägende Kämpfe und Rivalitäten der 1970er (historisch stark rezipiert)

Ali steht damit exemplarisch für eine These: Legendenstatus entsteht, wenn ein Boxer sportlich dominiert und zugleich zur Projektionsfläche einer Zeit wird.

IMAGO / PPS /Mohammad Ali (USA) wurde zum Kampfsportler des Jahrhunderts gekürt und mit einer Kristalltrophäe geehrt Boxen. Herren World Sports Award 1999, Sportler des Jahrhunderts, Millennium-Wahl, Galaveranstaltung, Awards, Wiener Staatsoper, Wien.

Rivalität als Motor: Joe Frazier und das Gegenbild zum Superstar

Alis Ära ist ohne Joe Frazier kaum zu verstehen. Britannica führt Frazier als Schwergewichtsweltmeister von 1970 bis 1973. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde er oft als Gegenpol zu Ali gelesen: weniger Inszenierung, mehr Druckkampf, physische Präsenz, permanente Arbeit am Körper.

Karriere-Highlights (Frazier)

  • Schwergewichtsweltmeister 1970–1973 (Britannica)

  • Zentrale Figur der großen Schwergewichtsduelle der 1970er (historischer Kontext)

Frazier zeigt, wie sehr Rivalitäten Legenden formen: Nicht nur der Sieger bleibt, sondern auch der Gegner, der den Maßstab setzt.

George Foreman: Macht, Niederlage, Comeback – und ein Rekord der Spätkarriere

George Foreman verbindet zwei typische Legendenmuster: frühe Dominanz und späte Rückkehr. Reuters betont, dass Foreman nach dem Verlust seines Titels gegen Ali später als 45-Jähriger durch K.o. gegen Michael Moorer erneut Weltmeister wurde – zwei Jahrzehnte nach dem ersten Titelgewinn. Diese Konstellation ist im Schwergewicht selten, weil die körperlichen Anforderungen mit dem Alter deutlich steigen.

Karriere-Highlights (Foreman)

  • Olympisches Gold und Schwergewichtstitelgewinn in der ersten Karrierephase (historisch gut dokumentiert)

  • Legendärer Titelkampf gegen Ali als Fixpunkt der Schwergewichtsgeschichte

  • Weltmeister mit 45 – Rekord der Spätkarriere im Schwergewicht (Reuters-Kontext)

Foreman steht damit für eine moderne Lesart von Größe: nicht nur Prime-Performance, sondern auch Anpassung und Langlebigkeit.

Die 1980er im Mittelgewicht: „Vier Könige“ und der Maßstab großer Duelle

Während das Schwergewicht öffentlich oft den größten Raum einnimmt, gilt das Mittelgewicht der 1980er als eine der dichtesten Qualitätsphasen. Sugar Ray Leonard gewann als Amateur olympisches Gold (1976) und wurde als Profi in mehreren Gewichtsklassen Weltmeister; Britannica betont seine Bilanz von 36 Siegen in 40 Profikämpfen und seinen Stil aus Beweglichkeit und Finesse.

Roberto Durán steht in dieser Konstellation für Druck, Körperarbeit und technische Härte; Britannica nennt ihn als Weltmeister in vier Gewichtsklassen (u. a. Leicht-, Welter-, Junior-Mittel- und Mittelgewicht). Thomas Hearns wiederum war ein Beispiel für Reichweite und Schlagkraft aus der Distanz; Britannica ordnet ihn als Champion in fünf Gewichtsklassen ein. Und Marvin Hagler wurde zum Symbol der stabilen Regentschaft im Mittelgewicht, bevor sein umstrittener Punktverlust gegen Leonard 1987 das Kapitel schloss.

Karriere-Highlights (Leonard, Durán, Hearns, Hagler – Auswahl)

  • Leonard: Olympisches Gold 1976; Weltmeister in mehreren Gewichtsklassen

  • Durán: Weltmeister in vier Gewichtsklassen (Britannica)

  • Hearns: Titel in fünf Gewichtsklassen (Britannica)

  • Hagler: Prägte das Mittelgewicht bis zum Kampf gegen Leonard 1987 (Britannica-Kontext)

Diese Ära zeigt, warum „Legendär“ oft an konkrete Kämpfe gekoppelt ist: Wenn Spitzenboxer gegenseitig ihre Prime testen, entsteht eine Dichte, die spätere Generationen selten replizieren können.

Die 1990er: Titelvereinigung, globale Vermarktung – und das Schwergewicht als Drama

Mit den 1990ern wurde das Titelbild komplexer: Mehr Verbände, mehr Gürtel, mehr Unification-Logik. Evander Holyfield ist hier zentral, weil er – laut ESPN – als erster undisputed Cruisergewicht-Champion auch undisputed Schwergewicht-Champion wurde und zudem als erster Boxer einen Schwergewichtstitel viermal gewann. Die Kämpfe gegen Mike Tyson und Lennox Lewis gehören zu den meistdiskutierten Ereignissen dieser Zeit.

Lennox Lewis wurde als letzter undisputed Schwergewichtschampion vor der Vier-Gürtel-Ära wahrgenommen; Britannica bezeichnet ihn als ersten Briten, der seit dem 19. Jahrhundert den undisputed Weltmeisterstatus im Schwergewicht hielt. Die Titelvereinigung gegen Holyfield wurde in der Rematch-Version 1999 per einstimmigem Punktsieg entschieden.

Mike Tyson: Frühreife Dominanz und der Preis der Erwartung

Kaum ein Name steht so stark für das Bild des „gefährlichen“ Schwergewichts wie Mike Tyson. Britannica hält fest, dass er am 22. November 1986 mit einem K.o. gegen Trevor Berbick der jüngste Schwergewichtsweltmeister der Geschichte wurde und danach die Gürtel der großen Verbände vereinigte. Sein Legendenstatus speist sich aus der Kombination von Athletik, Aggression, Handgeschwindigkeit – und aus der Art, wie schnell öffentliche Narrative kippen können, sobald Dominanz bricht.

Karriere-Highlights (Tyson)

  • Jüngster Schwergewichtsweltmeister (22.11.1986; Britannica)

  • Anerkannter Champion der großen Verbände in der späten 1980er-Phase (Britannica-Kontext)

  • Beispiel für die mediale Verdichtung von Sportlerbildern in der TV- und PPV-Ära

Tysons Karriere unterstreicht: Im Boxen wird Legendenstatus nicht nur durch Siege definiert, sondern auch durch Erwartungsdruck und die öffentliche Deutung von Kontrolle, Risiko und Fallhöhe.

IMAGO / PCN Photography / Paul J Sutton | Boxen: Mike Tyson beim Training im Fitnessstudio von Cus D’Amato in Catskill, New York, im Jahr 1986.

Von „Showcase“-Events zu Mehrfach-Champions: De La Hoya, Mayweather, Pacquiao

In den 2000ern verschob sich der Fokus häufig in Richtung Pay-per-View-Logik, „Superfights“ und Cross-Over-Vermarktung. Oscar De La Hoya wurde als Olympiasieger und Mehrfachweltmeister zu einem zentralen Gesicht dieser Phase; Britannica (Kids/Students) beschreibt ihn als Olympiasieger 1992 und nennt Weltmeistertitel in sechs Gewichtsklassen.

Floyd Mayweather Jr. steht für defensive Präzision und die Ökonomie des „Treffer vermeiden, Treffer setzen“. Britannica nennt ihn als Weltmeister in fünf Gewichtsklassen. Sein ungeschlagener Profirekord wurde zum Teil seines Marken- und Legendenbildes, auch weil er sportliche Kontrolle oft über Risiko stellte.

Manny Pacquiao repräsentiert das Gegenmodell: Gewichtswechsel als Karriereprinzip. ABC News und ESPN führen ihn als einzigen Boxer, der in acht Gewichtsklassen Weltmeistertitel gewann; ESPN berichtet zudem über seine Aufnahme in die International Boxing Hall of Fame (Klasse 2025). (Die Einordnung als Hall-of-Fame-Boxer ist unabhängig von einzelnen Comeback-Plänen, die in späteren Jahren diskutiert wurden.)

Karriere-Highlights (Mayweather & Pacquiao – Auswahl)

  • Mayweather: Weltmeister in fünf Gewichtsklassen (Britannica)

  • Pacquiao: Weltmeistertitel in acht Gewichtsklassen; Hall-of-Fame-Aufnahme (ESPN/ABC)

Diese Epoche machte sichtbar, wie sehr sich „Größe“ verschiebt: Nicht nur Titel zählen, sondern auch Gewichtsklassenbewegung, Event-Ökonomie und die Fähigkeit, über Jahre relevant zu bleiben.

Die Klitschko-Ära: Stabilität im Schwergewicht und das Ende einer Serie

Im Schwergewicht prägte Wladimir Klitschko über Jahre die Erwartung an Struktur, Disziplin und kontrollierten Stil. Britannica beschreibt seine lange Siegserie, die 2015 durch die Niederlage gegen Tyson Fury endete; Klitschko beendete seine Karriere später mit 64 Siegen und 5 Niederlagen.

Diese Phase ist wichtig, weil sie zeigt, wie sich „Legendär“ auch aus einer Ästhetik der Stabilität speist: Weniger Chaos, mehr System. Gleichzeitig wuchs der Wunsch nach einem Stilbruch – und damit nach Figuren, die das Schwergewicht wieder als unberechenbar erscheinen lassen.

Anthony Joshua vs Wladimir Klitschko, Boxen, 29.04.17 London

Tyson Fury: Lineare Krone, Rückkehr aus Krisen – und die Niederlagen gegen Usyk

Tyson Fury ist eine dieser Figuren, weil er Größe, Beweglichkeit und taktische Variation in einer seltenen Kombination verkörperte. Sein Sieg gegen Klitschko 2015 beendete laut zeitgenössischer Einordnung eine lange Regentschaft und veränderte die Schwergewichtshierarchie. In den Folgejahren prägte Fury zudem die Rivalität mit Deontay Wilder; ESPN beschreibt die Trilogie als zentralen Teil seiner Laufbahn.

Für eine aktuelle Einordnung ist entscheidend: Fury ist nicht der unangefochtene Champion der Gegenwart. Reuters berichtet, dass Oleksandr Usyk Fury im Mai 2024 per Split Decision besiegte und damit als erster Mann der Vier-Gürtel-Ära alle großen Titel gleichzeitig im Schwergewicht hielt; im Dezember 2024 gewann Usyk den Rückkampf per einstimmigem Punktsieg (alle Punktzettel 116–112). ESPN führt Fury in einer aktuellen Biografie als ehemaligen Lineal- und WBC-Schwergewichtschampion und nennt seinen Profirekord mit 34–2–1.

Karriere-Highlights (Fury)

  • Sieg gegen Klitschko 2015 als Zäsur im Schwergewicht

  • Rivalität/Trilogie mit Wilder als prägende Schwergewichtsserie der 2010er/2020er

  • Zwei Titelkämpfe gegen Usyk als Maßstabskämpfe der jüngeren Schwergewichtsgeschichte

  • Profibilanz laut ESPN: 34–2–1

Furys Legendenstatus entsteht damit nicht aus makelloser Dominanz, sondern aus der Kombination aus stilistischer Besonderheit, großen Kämpfen und einer Karriere, die – wie bei vielen Schwergewichten – Phasen des Auf und Ab kennt.

Oleksandr Usyk als Gegenwartsmaßstab: Warum die Ära Fury nicht allein erzählt werden kann

Wenn ein Artikel „bis Tyson Fury“ reicht, muss er zugleich erklären, warum Fury nicht isoliert steht. Reuters ordnet Usyks Sieg 2024 als historischen Schritt ein: Er vereinigte die vier großen Schwergewichtsgürtel und wurde damit der erste undisputed Champion der Vier-Gürtel-Ära. Für die Bewertung moderner Schwergewichte ist das wichtig, weil Titelstrukturen heute fragmentierter sind als zu Zeiten von Ali oder Louis.

In der Gegenwart ist Legendenbildung zudem stärker „vernetzt“: Rankings, Pflichtverteidigungen, Rematch-Klauseln und Eventstandorte beeinflussen, wer wann gegen wen kämpft. Umso höher wird bewertet, wenn ein Boxer – wie Usyk – in kurzer Zeit die relevantesten Titelpfade schließt.

Frauenboxen: Von Randnotiz zur Legendenbühne

Ein Rundumschlag über „die legendärsten Boxer“ bleibt unvollständig, wenn er Frauenboxen ausblendet. Die Professionalisierung verlief später und unter anderen Rahmenbedingungen, doch die Maßstäbe sind ähnlich: Titelvereinigung, Gewichtsklassenwechsel, Gegnerdichte und internationale Wirkung.

Reuters berichtet, dass Claressa Shields durch einen Sieg im Schwergewicht als erste Boxerin undisputed Champion in drei Gewichtsklassen wurde; außerdem verweist Reuters auf ihre olympischen Goldmedaillen 2012 und 2016. Katie Taylor steht für die europäische und irische Erfolgsgeschichte im Amateur- und Profibereich; die AP nennt sie als Olympiasiegerin von 2012 und beschreibt ihre Bedeutung für die Sichtbarkeit des Sports.

Karriere-Highlights (Shields & Taylor – Auswahl)

  • Shields: undisputed in drei Gewichtsklassen (Reuters)

  • Shields: Olympisches Gold 2012 und 2016 (Reuters-Kontext)

  • Taylor: Olympisches Gold 2012 (AP)

Damit wird deutlich: Legendenbildung ist im Boxen heute nicht mehr ausschließlich männlich – und die moderne Sportgeschichte verlangt, beide Linien mitzuerzählen.

IMAGO / ZUMA Press Wire / 3. Juni 2023, Detroit, USA: Claressa Shields schlägt gegen Maricela Cornejo während ihres Mittelgewichts-Titelkampfs in der Little Caesars Arena.

Bilder, Archive und Rechte: Wie Boxgeschichte dokumentiert und genutzt wird

Boxen lebt stark von Ikonografie: Ringfotos, Pressebilder, historische Archive und TV-Stills prägen, wie Karrieren erinnert werden. Gleichzeitig gilt für jede Veröffentlichung: Eine Lizenz überträgt Nutzungsrechte, nicht das Urheberrecht. In der Praxis hängt die rechtssichere Nutzung davon ab, ob Material redaktionell oder kommerziell eingesetzt wird und welche Rechtekette hinter einem Bild steht.

Als Bild- und Content-Plattform arbeitet IMAGO mit Partneragenturen, Fotografen und Archiven und stellt für Medien- und Kommunikationsprojekte klare Lizenzmodelle bereit, die Umfang und Einsatzgebiet definieren. Das ist besonders relevant, wenn Inhalte nicht nur in klassischen Artikeln, sondern auch in Social Media, Dokumentationen, Bildungsprodukten oder Kampagnenkontexten erscheinen.

Warum die größten Boxer mehr sind als ihre Bilanzen

Der Weg von John L. Sullivan über Jack Johnson, Joe Louis, Robinson, Marciano und Ali bis hin zu Fury zeigt, dass „legendär“ selten nur „stark“ bedeutet. Legenden sind Boxer, die ihre Ära definieren – durch Titel, Gegner, Stil oder gesellschaftliche Wirkung. Gleichzeitig macht gerade der Vergleich über Jahrzehnte hinweg sichtbar, wie sehr sich das Boxen verändert hat: von wenigen Titellinien zu komplexen Mehrgürtel-Strukturen, von lokalen Arenen zu globalen Events.

Wer heute über „die größten aller Zeiten“ spricht, muss deshalb zwei Dinge gleichzeitig leisten: sportliche Fakten sauber einordnen und den Kontext erklären, in dem diese Fakten Bedeutung bekamen. Genau darin liegt der Reiz von Boxgeschichte – und der Grund, warum Ali, Louis, Robinson oder Fury auch in künftigen Debatten als Referenzpunkte bleiben.