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24h Nürburgring – Geschichte, Faszination und Herausforderungen eines Langstreckenklassikers

Das 24‑Stunden‑Rennen auf dem Nürburgring gehört seit 1970 zu den anspruchsvollsten Langstreckenprüfungen im Motorsport. Von Beginn an traten Profis und Privatfahrer gemeinsam an – ein Markenzeichen, das bis heute zur besonderen Mischung des Events gehört. Die Kulisse aus Nordschleife und Teilen des Grand‑Prix‑Kurses, die Länge der Runde und das Eifelwetter prägen Charakter und Dramaturgie. Zugleich ist das Rennen eine Bühne für Technik, Taktik und Teamarbeit – vom Werksprojekt bis zum ambitionierten Privatteam. Seit der Premiere 1970, die Hans‑Joachim Stuck und Clemens Schickentanz gewannen, hat sich der Wettbewerb kontinuierlich professionalisiert, ohne seinen offenen Charakter zu verlieren.

Anfänge und Entwicklung

Die Premiere fand am 27./28. Juni 1970 statt und setzte den Grundstein für einen Mix aus Breitensport und Spitzenkönnen. 1973 gab es die bis heute einmalige „Nachtruhe“: Acht Stunden Rennpause zwischen Mitternacht und dem Morgen. 1974 und 1975 fiel das Rennen aufgrund der Ölkrise aus, 1983 wegen der Bauarbeiten zur neuen Grand‑Prix‑Strecke; seit 1984 wird auf der Kombination aus Nordschleife und GP‑Kurs gefahren. Ein Meilenstein der Mediengeschichte folgte 1989 mit einer durchgehenden 24‑Stunden‑TV‑Übertragung auf 3sat. 

Die Strecke

Gefahren wird heute auf einer 25,378‑km‑Variante aus Nordschleife und Teilen des GP‑Kurses – eine Runde so lang wie vielfältig. Die Nordschleife gilt als längste permanente Rennstrecke der Welt und zählt offiziell 73 Kurven; Steigungen bis 17 % und Gefälle bis 11 % fordern Mensch und Material. Ihren Beinamen „Grüne Hölle“ verdankt sie Formel‑1‑Legende Jackie Stewart. Die Kombination aus schnellen Passagen, blinden Kuppen und engen Abschnitten macht jede Runde anspruchsvoll – insbesondere bei wechselhaftem Wetter. 

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IMAGO / Eibner / Memmler im Sonnenuntergang am Galgenkopf, GER, ADAC Ravenol 24 Stunden Rennen Nuerburgring 2025

Fahrzeuge und Klassen

Das Starterfeld umfasst Tourenwagen und GT‑Fahrzeuge unterschiedlichster Kategorien – von seriennah bis GT3. Die Topklasse heißt SP9 und entspricht dem FIA‑GT3‑Reglement; hier wird in der Regel der Gesamtsieg entschieden. Zugelassen sind maximal rund 170 Fahrzeuge; historische Rekordfelder zählten über 200 Nennungen (224 Fahrzeuge im Jahr 2007). Die Breite des Feldes und die Geschwindigkeitsunterschiede prägen Dynamik und Überrundungsverkehr des Rennens.


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IMAGO / Thomas Zimmermann / NSU 1200TT + Simca 1000 auf der Start-und Ziel-Geraden der Nürburgring-Nordschleife beim 6-Std-Rennen 1970

Teams und Fahrer

Werksunterstützte Spitzenteams treffen am Ring auf starke Privatmannschaften – eine Besonderheit im internationalen Kalender. Rekordteam der 2000er war Manthey Racing (Porsche), das bis einschließlich 2021 sieben Gesamtsiege holte; 2024 zog Phoenix Racing (Audi) mit seinem siebten Erfolg gleich. Den Fahrerekord mit je fünf Gesamtsiegen teilen sich Timo Bernhard, Pedro Lamy und Marcel Tiemann. Eine Pionierleistung setzte Sabine Schmitz, die 1996 und 1997 als erste Frau das Rennen gewann. 

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IMAGO / Eibner / Memmler / Thierry Vermeulen (Niederlande, Emil Frey Racing, Ferrari 296 GT3, 69) am Start Rennstart auf dem Weg zur ersten Kurve vor Jack Aitken (Großbritannien, Emil Frey Racing, Ferrari 296 GT3, 14)

Technik und Strategie

24 Stunden im Rhythmus von Tankstopps, Reifenwechseln und Reparaturen sind ein Härtetest für Aggregate, Bremsen und Fahrwerke. Die lange Runde beeinflusst die Taktik: Ungeplante Boxenstopps kosten viel Zeit, weshalb Teams Risiken abwägen und Reparaturen strategisch bündeln. Zur Orientierung im Nachtverkehr kennzeichnen blaue LED‑Leuchten die schnellsten 30 Fahrzeuge – ein etabliertes Sicherheitsmerkmal.

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IMAGO / Eibner / EP_jat / Lamborghini Huracan GT3, Team: Konrad Motorsport (DEU) beim nächtlichen Boxenstopp

Wetter und Unterbrechungen

Das Eifelwetter bleibt ein Unbekannter. 2016 zwang Hagel früh im Rennen zur Unterbrechung – am Ende fiel die Entscheidung mit 5,697 Sekunden Vorsprung, dem knappsten Zieleinlauf der Geschichte. 2021 sorgte dichter Nebel für eine Neutralisation über nahezu 14,5 Stunden. 2024 wurde das Rennen wegen anhaltenden Nebels vorzeitig beendet, was die ohnehin kurze effektive Fahrzeit weiter verkürzte. 2025 unterbrach ein Stromausfall die Veranstaltung für rund zwei Stunden, bevor regulär zu Ende gefahren wurde. 

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IMAGO / speedshot Rennfahrzeuge auf der Nürburgring Nordschleife bei nasser Strecke 24h Rennen 2025 Nürburgring

Fan‑Kultur und Atmosphäre

Hunderttausende säumen jährlich die Strecke – 2011 wurden rund 250.000 Zuschauer gezählt, 2025 markierten etwa 280.000 Besucher einen neuen Rekord. Entlang der Nordschleife entstehen traditionelle Camping‑Zonen mit Dauercamps und wechselnden Schwerpunkten; der Veranstalter öffnet zu den 24h ausgewiesene Bereiche. Die Kombination aus Nähe zur Strecke, Lagerfeuerkultur und durchgängiger Action ist Teil der besonderen Faszination. 

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IMAGO / HochZwei/Suer Motorsportfans mit ihren Zelten beim ADAC Zurich 24h Rennen 2009 auf dem Nürburgring Motorsport Herren ADAC Zurich 24h Rennen 2009, Langstrecke, Langstreckenrennen, Autorennen, 24 h, Stunden Totale Nürburgring Nürburg

Wirtschaftliche Bedeutung

Das 24h‑Wochenende füllt Hotels, Pensionen und Campingplätze der Region und bindet zahlreiche Dienstleister rund um Logistik, Gastronomie und Eventbetrieb ein. Hersteller und Zulieferer präsentieren Technologien vor großem Publikum, während die Strecke als „Testlabor“ für Dauerhaltbarkeit und Innovationen dient. Die Strahlkraft des Events fördert Tourismus und Motorsport‑Ökosystem über das Rennwochenende hinaus.

Medienpräsenz

Die Live‑Berichterstattung hat Tradition und Reichweite: 1989 lief erstmals eine komplette TV‑Übertragung über 24 Stunden. 2025 stellte NITRO mit 27 Stunden 45 Minuten einen offiziellen Weltrekord für die längste TV‑Liveübertragung eines Sportereignisses auf; parallel erreichte der offizielle Livestream sechsstellige gleichzeitige Zuschauerzahlen. Multiplattform‑Formate und Social‑Media‑Begleitung machen das Rennen international erlebbar. 

Sportliche Meilensteine

2014 wurde mit 159 Runden ein Distanzrekord aufgestellt. 

2016 entschied sich das Rennen in der Schlussrunde mit dem geringsten Vorsprung der Historie. 

2023 feierte Ferrari mit dem Frikadelli‑Team den ersten Gesamtsieg einer Ferrari‑GT3 am Ring; 

2024 folgte ein witterungsbedingtes Frühende nach langer Nebelpause. 

2025 gewann Rowe Racing auf BMW M4 GT3 – für BMW war es der 21. Gesamtsieg bei den 24h Nürburgring. 

Das 24‑Stunden‑Rennen auf dem Nürburgring vereint Tradition und Gegenwart: eine außergewöhnliche Strecke, eine offene Starterkultur und ein Publikum, das das Event mitprägt. Wetter, Verkehr und Taktik schaffen eine Wettbewerbslage, in der Fehler selten verziehen werden und Konstanz zählt. Für Teams ist es Prüfstand und Prestigebühne zugleich; für Fans ist es ein Festival mit unverwechselbarer Atmosphäre. Die jüngsten Entwicklungen – von Zuschauerrekorden bis zu medientechnischen Bestmarken – zeigen, wie lebendig dieser Langstreckenklassiker bleibt.

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